Zum Equal Pay Day war Dr. Leonie Röcker, Gründerin des Familienrechners, im Podcast „Mama will reden“ von Saskia Dierkes zu Gast. In der Folge geht es um eine Frage, die viele Familien betrifft, aber oft erst spät wirklich sichtbar wird: Was passiert finanziell, wenn ein Elternteil über Jahre beruflich zurücksteckt, mehr unbezahlte Care-Arbeit übernimmt und dadurch weniger Einkommen, weniger Rentenpunkte und weniger finanzielle Unabhängigkeit aufbaut?
Während viele werdende Eltern sehr genau berechnen, wie sie Elterngeld optimal nutzen können, bleibt eine andere Rechnung häufig aus: Welche langfristigen Folgen hat das gewählte Familienmodell für Einkommen, Altersvorsorge und finanzielle Fairness?
Genau hier setzt der Familienrechner an.
Vom Elterngeldrechner zum Familienrechner
Saskia beschreibt im Gespräch eine Beobachtung, die viele Eltern kennen dürften: Beim Elterngeld wird gerechnet, geplant und optimiert. Monate werden verglichen, Modelle durchgespielt und Anträge vorbereitet.
Wenn es später jedoch um Teilzeit, Care-Arbeit, Rentenpunkte oder finanzielle Abhängigkeit geht, wird es oft deutlich unkonkreter. Dann heißt es schnell: „Wir haben ja ein gemeinsames Einkommen“ oder „Bei uns ist alles ein Topf“.
Der Familienrechner macht diese Fragen konkreter. Er zeigt, welche finanziellen Unterschiede entstehen können, wenn ein Elternteil beruflich zurücksteckt oder über Jahre mehr unbezahlte Care-Arbeit übernimmt — nicht als abstrakte gesellschaftliche Zahl, sondern bezogen auf die eigene Situation.
Warum der Familienrechner entstanden ist
Im Gespräch erzählt Leonie, dass die Idee zum Familienrechner aus vielen Gesprächen mit Freundinnen entstanden ist. Viele von ihnen sind gut ausgebildet, hatten anspruchsvolle Jobs und standen nach der Geburt ihrer Kinder plötzlich vor einer neuen Realität: Teilzeit, weniger Einkommen, weniger Rentenansprüche — und teilweise auch ein verändertes Machtverhältnis innerhalb der Beziehung.
Ausgangspunkt war für Leonie eine sehr konkrete Frage: Wenn Care-Arbeit finanziell anerkannt werden soll, wie lässt sich dieser Ausgleich berechnen?
Als analytisch denkender Mensch wollte sie keine vage Empfehlung geben, sondern ein Tool entwickeln, das Paaren eine konkrete Grundlage für Gespräche bietet. Denn nicht jedes Paar kann oder möchte eigene Excel-Modelle bauen, sich in das Rentensystem einarbeiten oder komplexe Ausgleichsformeln entwickeln.
Kein vorgeschriebenes Familienmodell, sondern mehr Transparenz
Ein wichtiger Punkt der Folge: Der Familienrechner schreibt kein bestimmtes Familienmodell vor.
Es geht nicht darum, dass alle Eltern gleich viel arbeiten müssen. Und es geht auch nicht darum, ein einzig richtiges Modell für Familie, Erwerbsarbeit und Care-Arbeit festzulegen.
Aber wenn ein Elternteil über Jahre weniger arbeitet, weniger verdient und weniger für die eigene Altersvorsorge tun kann, sollte diese Entscheidung bewusst getroffen werden. Der Familienrechner hilft dabei, die finanziellen Folgen sichtbar zu machen — als Startpunkt für Gespräche über faire Lösungen.
Finanzielle Fairness ist mehr als ein gutes Gefühl
Saskia bringt im Gespräch einen wichtigen Gedanken ein: Ein finanzieller Ausgleich bedeutet nicht, dass Geld innerhalb der Familie verloren geht. Es wird vielmehr so verteilt, dass beide Elternteile langfristig besser abgesichert sind.
Das kann besonders im Fall einer Trennung entscheidend sein. Aber auch ohne Trennung ist finanzielle Fairness relevant, weil sie Wertschätzung ausdrückt und Abhängigkeiten reduziert.
Natürlich kann ein Rechner nicht alles abbilden. Verpasste Karrierechancen, geringere Aufstiegsmöglichkeiten oder der Verlust beruflicher Sichtbarkeit lassen sich nicht vollständig kompensieren. Aber der Familienrechner kann helfen, die finanziellen Auswirkungen zumindest greifbarer zu machen.
Besonders wichtig für unverheiratete Paare
Im Podcast sprechen Saskia und Leonie auch darüber, dass verheiratete Paare zumindest gewisse gesetzliche Ausgleichsmechanismen haben — etwa Zugewinn- oder Versorgungsausgleich. Diese Systeme sind nicht perfekt und ersetzen keine individuelle Vorsorge, aber sie existieren.
Bei unverheirateten Paaren sieht das anders aus. Hier gibt es im Trennungsfall deutlich weniger automatische Absicherung. Wer also ohne Trauschein gemeinsam Kinder bekommt und beruflich zurücksteckt, sollte besonders bewusst über finanzielle Ausgleichsmodelle sprechen.
Care-Arbeit ist Arbeit
Ein Thema, das Saskia im Gespräch besonders hervorhebt, ist die Einordnung von Care-Arbeit als echte Arbeit. Denn wer weniger Erwerbsarbeit leistet, arbeitet nicht automatisch weniger. Häufig wird die reduzierte Arbeitszeit durch deutlich mehr unbezahlte Arbeit in Familie und Haushalt ersetzt.
Genau deshalb ist es wichtig, Care-Arbeit nicht als private Nebensache zu behandeln. Sie hat einen wirtschaftlichen Wert. Und sie hat finanzielle Folgen für die Person, die sie überwiegend übernimmt.
Der Familienrechner macht diese Folgen sichtbar — sachlich, konkret und als Grundlage für individuelle Lösungen.
Kostenlos nutzbar — ohne Paywall
Ein weiterer Punkt der Folge: Der Familienrechner ist kostenlos nutzbar. Es gibt keine Paywall und keine Pflicht, eine E-Mail-Adresse zu hinterlassen.
Leonie betont im Gespräch, dass das Tool möglichst niedrigschwellig zugänglich sein soll. Denn finanzielle Fairness in Familien sollte nicht davon abhängen, ob jemand bereit oder in der Lage ist, für einen ersten Überblick zu bezahlen.
Früher über Geld sprechen
Die wichtigste Botschaft der Folge: Finanzielle Fairness beginnt mit Transparenz.
Paare sollten nicht erst dann über Geld, Care-Arbeit, Teilzeit und Altersvorsorge sprechen, wenn Unzufriedenheit entstanden ist oder die Rentenlücke bereits spürbar wird. Sinnvoller ist es, diese Fragen früh zu klären — idealerweise bevor langfristige finanzielle Nachteile entstehen.
Der Familienrechner kann dafür ein erster Schritt sein: Er macht sichtbar, wo finanzielle Lücken entstehen können, und gibt Paaren eine sachliche Grundlage, um über faire Ausgleichsmöglichkeiten zu sprechen.